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26.02.2026 von Pieter Poldervaart

FEBEA-Jahreskongress in Thun: Ethisch auch in schwierigen Zeiten

Ethisches Banking ist der Gegentrend zum aktuellen politischen Mainstream. Dabei ist man nicht zwingend in der Defensive, wie der Jahreskongress der Europäischen Föde­ration der ethischen und alternativen Banken ­(FEBEA) am 2. Oktober 2025 in Thun zeigte. Denn Nachhaltigkeit bleibt für viele Institutionen und Private auch bei Finanzanlagen zentral.


Beitrag der ABS
Artikel in Thema Ungleichheit
Foto: Jean-Christophe Dupasquier

Trumps Demokratieabbau, Putins Krieg und populis­tische Wahlsieger in Europa: Angesichts der aktuellen Weltlage haben Themen wie Klimaschutz, Sozialstandards und Ethik einen schweren Stand. Das gilt auch in der Finanzbranche. Doch gleichzeitig kann die Krise ­eine Gelegenheit sein, das eigene Profil zu schärfen. Das zeigte der Jahreskongress der Europäischen Föderation der ethischen und alternativen Banken (FEBEA), der am 2. Oktober in Thun stattfand. Gastgeberin und Organisatorin der Tagung war die Alternative Bank Schweiz. Nicole Bardet räumte im Namen der ABS und als Vorstandsmitglied der FEBEA ein, es sei zwar ­erfreulich, dass sich ESG (Environmental, Social and ­Governance) auf EU-Ebene durchsetze. Doch neue Regulatorien orientierten sich meistens am kleinsten ­gemeinsamen Nenner. Die ABS und andere ethische Banken hingegen streben nicht möglichst hohe Ge­winne unter dem ESG-Siegel an, sondern möchten bessere und damit strengere Anforderungen.


«Menschenrechte sind nicht verhandelbar»
In seiner Begrüssungsrede betonte FEBEA-Präsident ­Pedro M. Sasia Santos, die aktuelle Militarisierung ignoriere, dass die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen keine rein militärische sei. Vielmehr habe auch der Klimawandel drastische Folgen für unsere Zukunft. Eine an­dere globale Herausforderung sei die soziale Ungleichheit. Dieser wollen die 33 Banken, Stiftungen und Finanzeinrichtungen aus 17 europäischen Ländern, die in der FEBEA organisiert sind, entgegenwirken, so ­Pedro M. Sasia Santos weiter. Trotz starkem Gegenwind aus der Politik habe der nachhaltige Finanzsektor gezeigt, dass er profitabel, resilient und vital sei. «Wir dürfen uns dem aktuellen Backlash nicht beugen, sondern müssen im Gegenteil zeigen, was die Alternativen sind», rief der FEBEA-Präsident die 150 Anwesenden auf. Menschenrechte und Inklusion gerade auch der verletzlichen Gesellschaftsteile seien Gebote der Stunde. Die ethischen Banken hätten dabei mit ihrer Kreditvergabepolitik eine wichtige Scharnierfunktion zwischen ­Wirtschaft und Gesellschaft.


Die Megatrends sind relativ
Wie verwirrend die aktuelle Situation ist, zeigte Roger Spindler vom Thinktank Zukunftsinstitut. Er skizzierte die verschiedenen Megatrends – relativierte sie aber teil­weise auch mit dem Hinweis, dass jeder Trend einen Gegentrend auslöse und viele Entwicklungen ihren Zenit schon erreicht hätten. Die Individualisierung etwa scheint sich totgelaufen zu haben. Hingegen erhält die «We-­Culture» Auftrieb, also das gemeinsame Erleben und die Suche nach einer gemeinsamen Lösung. Auch die Globalisierung ist kein unantastbares Mantra mehr. Vielmehr wird die Entwicklung auf die örtlichen Gegebenheiten heruntergebrochen, was zur «Glokalisierung» führt, ­einem Kunstwort aus Globalisierung und Lokalisierung. Für das ethische Finanzwesen könnte das bedeuten, dass soziale Werte wieder höher gewichtet werden und die Finanzierung der örtlichen Realwirtschaft mehr zählt als der fiktive Buchgewinn an der Börse.


Ethik bleibt gefragt
Marek Hudon, Vorsitzender der Nichtregierungsorga­nisation Finance Watch, blickte ein paar Jahre zurück, als Ethik im Finanzwesen noch zum guten Ton gehörte. «Wir meinten damals, wir hätten gewonnen», fasste er die damalige Euphorie des ethischen Bankings zusammen. Doch nicht nur die kriegerischen und poli­tischen Turbulenzen der letzten Jahre haben der Nachhaltigkeit einen jähen Dämpfer verpasst. Auch das Lobbying in den Schaltzentralen Brüssels leistet seinen Beitrag dazu: Wenn im Banking ein neuer Standard ­eingeführt werden solle, seien die grössten Akteure an vorderster Front dabei, um die Regulierung nach ihrem Gusto zu modellieren, sagte Hudon. Die Banken seien mit rund dreissig professionellen Lobbyisten in Brüssel ­präsent, die sozial-ökologische Seite, repräsentiert von Verbänden wie Finance Watch oder FEBEA, hingegen nur mit je einem.
Trotzdem ist der Wirtschaftsprofessor optimistisch. In einer eben publizierten Studie weist Hudon nach, dass in der Bevölkerung ein grosses Misstrauen gegenüber konventionellen Banken besteht. Wer sein Geld hingegen zu einer ethischen Bank trage, tue dies hauptsächlich aus Überzeugung und weniger aus finanziellen Motiven. Und wer Anlagen bei alternativen Finanzinstituten erwerbe, dem gehe es nicht in erster Linie um seine gesellschaftliche Reputation, sondern um Ökologie oder Ethik. «Verwässern konventionelle Banken ihre nachhaltige Anlagepolitik, suchen die Anlegerinnen und Anleger Alternativen – also uns», schlussfolgerte Hudon. Um die Aufnahme dieser Kundinnen und Kunden zu ­erleichtern, sei es wertvoll, Allianzen zu schmieden, beispielsweise mit Konsumentenverbänden, die dem ­ethischen Banking nahestünden.


Kooperation innerhalb der FEBEA stärken
Der Aufruf, sich enger zu vernetzen und damit das ­nachhaltige Banking zu stärken, könnte in ganz ­praktische Projekte münden. Vorschläge für solche entwickelten die Teilnehmenden des Kongresses im ­Rahmen eines World-Cafés. Ein Vorschlag war beispielsweise, einen gemeinsamen europäischen Fonds zu schaffen, um flexibel auf dringende Kreditnachfragen zu reagieren. Und um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, kam die Idee auf, jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach der Ausbildung ein Praxisjahr bei einer aus­ländischen Partnerbank zu vermitteln – ein Austausch mit Lerneffekt, der langfristig auch dem eigenen Finanz­institut zugutekommt.


Junges Lobbying für ethisches Banking

Foto: Jean-Christophe Dupasquier
Die Delegation von JóvenesxFiare zeigte am FEBEA-Jahreskongress, dass der ethische Umgang mit Geld auch Junge interessieren kann.

Finanzflüsse sind ein ent­scheidender Hebel, um Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Fortschritt voranzubringen. Andererseits interessieren sich ­viele Menschen erst ab einem bestimmten Alter dafür, wo sie ihr Geld anlegen oder wie ­ihre Pensionskasse das Altersguthaben investiert. «Vielen ­Jungen fehlt das Basis­wissen zu Wirtschaft und Geld», sagt ­Yolanda del Olmo. Die auf Start-ups spezialisierte Produkt-Desig­nerin ist Mitglied von JóvenesxFiare. Der Verein setzt sich in Spanien dafür ein, das Bewusstsein für einen sozialen und ökologischen Umgang mit Geld zu stärken. Jóvenesx­Fiare arbeitet mit Fiare Banca Etica zusammen, ­einer Tochter der ita­lienischen Banca Etica. Die ­jungen Erwachsenen enga­gieren sich ehrenamtlich, halten an ­Universitäten Referate oder beteiligen sich an Podiums­diskussionen zum Thema ethischer Umgang mit Geld. Einzig für die Teilnahme am Jahres­treffen und an Tagungen wie dem ­FEBEA-Jahreskongress werden ­ihnen die Reisekosten zurück­erstattet. Aktuell sind es in Spanien über 70 Personen zwischen 18 und 35, die bei Jóvenesx­Fiare mitarbeiten. Zwar nennt sich die Organisation nach der ethischen Fiare Banca Etica, aber «wir sind kein Marketingtool für eine Bank, sondern für die Philosophie», betont Yolanda del Olmo. Die Organi­sation wolle junge Menschen erreichen, um ihnen zu zeigen, wie verantwortungsbewusstes wirtschaftliches Verhalten ­positive Veränderungen in der Gemeinschaft bewirke. Nachdem sich die Organisation seit 2018 in Spanien verankert hat, ist man jetzt daran, in Italien eine ähnliche Struktur aufzu­bauen.

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