Ein Sofa nach Mass
Andreas Niederer hatte in der Kindheit zwar den Duft von frisch gesägtem Holz geschnuppert. Aber als junger Erwachsener absolvierte er nicht etwa eine Schreinerlehre, sondern studierte Philosophie. «Erst im Gespräch mit meinem Vater gleich nach dem Konkurs entstand die Idee, es nochmals zu probieren: wieder mit Massivmöbeln aus Holz, dessen Herkunft wir kennen, mit modernem Design, Langlebigkeit und Direktverkauf», umschreibt Niederer den Start der Firma. Er und sein Vater überzeugten einige ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, beim neuen Projekt mitzutun; zwei von ihnen sind bis heute im Team. 2006 eröffnete der erste Stadtladen im Zürcher Lochergut, zu dem sich 2020 ein zweiter Standort beim Hauptbahnhof Zürich gesellte.
Wer ein Reseda-Möbel kaufen will, braucht etwas Geduld. «Wir produzieren nichts, wofür keine Bestellung vorliegt», erklärt Niederer. So erhält jede Kundin, jeder Kunde ein Unikat: Wer online oder nach einem persönlichen Beratungsgespräch ein Sofa – die Polster aus dem gewünschten Stoff fertigt ein Traditionsbetrieb im Aargau an – oder einen Tisch auswählt, kann bei der Höhe der Sofabeine oder der Länge des Tischblatts entscheiden, ob die Standardmasse passen oder ein paar Zentimeter dazukommen sollen. Und bis zu acht Holzarten stehen zur Auswahl, wobei dunkle Kirsche auch aus Kanada stammen kann.
Holz aus Übersee für ein nachhaltiges Möbelstück? «Wir möchten zwar möglichst Holz verarbeiten, das in der Schweiz oder in unseren Nachbarländern gewachsen ist», sagt der Geschäftsleiter. Doch obwohl Regionalität bei der umweltbewussten Reseda-Kundschaft ein wichtiges Kriterium ist, die Ästhetik ist es eben auch. Und hier vermag Schweizer Holz nicht immer mitzuhalten, erklärt der 47-Jährige. Das einheimische Holz hat oft eine etwas andere Farbgebung und einen unregelmässigeren Wuchs als jenes aus dem Ausland. Die grosse Herausforderung ist es daher, das Publikum schrittweise an diese lokal gewachsene Ästhetik heranzuführen. So hat das Reseda-Team beispielsweise eine «Wildesche» ins Sortiment eingeführt, die zeigt, dass Esche nebst dem bekannten hellen und ruhigen Holz auch ein sehr wildes Erscheinungsbild haben kann.
Eigene Vorstufe verbessert die Qualität
Die Vorstufe zur Schreinerei in Winterthur ist die Zuschneiderei, in die Reseda 2023 im nahen Flurlingen investierte. Hier wird Rohholz – aufgeschnittene, getrocknete Stämme – zu Massivholzplatten für die Weiterverarbeitung in der Schreinerei verarbeitet. Dieser Arbeitsschritt verbessert die Kontrolle über die Holzherkunft. «Zudem ist seither die Qualität unserer Möbel nochmals deutlich gestiegen», freut sich Niederer. Das Holz wird einer von vier Qualitätsstufen zugewiesen, sodass zum Beispiel Material mit einer besonders schönen Maserung als Deckblatt für ein Sideboard bestimmt wird, während ein anderes mit deutlicher Astung im Boden, den man kaum sieht, verarbeitet wird. Dann gelangen die beschrifteten Stücke – jedes einzelne Brett erhält eine Nummer – ins 30 Kilometer entfernte Winterthur. Dort werden in einer Mischung aus Maschinen- und Handarbeit die Möbel gefräst, teilweise verleimt und in einem zweiten Arbeitsschritt mit Leinöl behandelt. Diese offenporige, natürliche Möbeloberfläche ermöglicht es, das Möbel unkompliziert zu pflegen und auch bei intensiver Nutzung schön zu halten. Auch die Logistik erledigt Reseda selbst: Im eigenen Kleinlaster, abfallfrei verpackt in Wolldecken, werden die Unikate in ihr neues Zuhause transportiert.