Lange hatte sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) dagegen gesträubt, in ihrer Anlagestrategie die Klimakrise und schwere Umweltverschmutzung zu berücksichtigen (vgl. moneta 2/2020). Letzten Herbst enthüllte die NGO-Koalition «Unsere SNB» jedoch, dass die Nationalbank ihre Aktien im Wert von 227 Millionen US-Dollar am britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto verkauft habe. Dieser war wegen Wasserverschmutzung in Kanada verurteilt worden. Bereits zuvor war die SNB aus den fossilen Energiekonzernen BP, Tullow Oil und Enquest ausgestiegen. Dies zeigen öffentliche Daten, die vom Recherchekollektiv WAV und Reuters ausgewertet wurden: Von Anfang 2024 bis zum Oktober 2025 habe die SNB mehr als doppelt so viele Beteiligungen an Öl- und Gasfirmen verkauft, wie sie in solche investierte.
Noch bis Ende 2020 hatte die Nationalbank in ihrer Anlagestrategie die Klimaerwärmung und Umweltrisiken praktisch komplett ignoriert. Dies geschah jeweils mit Verweis darauf, dass sie für Finanz- und Preisstabilität sorgen müsse. Obschon sie eigentlich schon damals laut eigenen Richtlinien Unternehmen meiden wollte, die «systematisch gravierende Umweltschäden» verursachen. Vor gut fünf Jahren kündigte die SNB in einem ersten Schritt dann an, Energie-Unternehmen auszuschliessen, die auf die Verbrennung von Kohle setzen. NGOs wie die Klimaallianz begrüssen die jüngste Entwicklung des Rückzugs auch aus Ölfirmen, kritisieren aber die mangelnde Transparenz und die fehlende Begründung für die vollzogenen Schritte. Das Finanzportal tippinpoint.ch geht davon aus, dass seit dem Amtsantritt des neuen SNB-Direktors Martin Schlegel im Oktober 2024 die bestehenden Richtlinien etwas strenger umgesetzt und Umwelt und Klima mehr gewichtet würden. Die SNB gehört weltweit zu den zehn grössten institutionellen Investoren.
