Warum veröffentlicht die ABS jedes Jahr einen Nachhaltigkeitsbericht?
Katrin Wohlwend: Die ABS braucht aus zwei Gründen einen Nachhaltigkeitsbericht. Erstens hat sie seit ihrer Gründung vor über 35 Jahren hohe Ansprüche an ihre eigene Transparenz. Sie will sich selbst überprüfbar und ihre Versprechen hinterfragbar machen. Zweitens ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung eine wichtige Basis für die strategische Ausrichtung und die Steuerung der Bank. Auch wenn wir uns bewusst sind, dass sich nicht alles Wichtige messen lässt, brauchen wir Informationen, um realistische Ziele und Massnahmen festlegen zu können.
Inwiefern beeinflussen Banken eigentlich das Klima?
Isabelle Vieli: Ob wir Flugobst kaufen oder beim Bauern nebenan unser Gemüse beziehen – alle unsere Handlungen verursachen Treibhausgase und haben damit eine Auswirkung auf das Klima. So auch der Betrieb und die Tätigkeiten einer Bank. Am offensichtlichsten sind Emissionen, die mit dem Betrieb der Standorte zusammenhängen, zum Beispiel das Heizen, der Strom, das Papier oder der Pendelverkehr der Mitarbeitenden. Viel wichtiger sind aber die Auswirkungen unserer Kredite und Investitionen.
Warum?
Isabelle Vieli: Als Bank sind wir beteiligt an den Emissionen, die die von uns finanzierten Unternehmen und Immobilien verursachen. Das heisst, wir müssen unseren Anteil an diesen Emissionen gemäss unserem investierten Kapital berechnen. Bei der ABS berücksichtigen wir für die Berechnung unserer Klimawirkung sowohl die betrieblichen als auch die finanzierten Emissionen, sofern eine Berechnungsmethodik existiert und Daten verfügbar und qualitativ ausreichend sind.
In welchem Grössenverhältnis stehen die betrieblichen und die finanzierten Emissionen?
Isabelle Vieli: Wie bei vielen Dienstleistungsunternehmen sind die betrieblichen Emissionen bei Banken vergleichsweise gering. Den weitaus grössten Beitrag zum Treibhausgas-Fussabdruck leisten die Investitionen und Kredite. Bei der ABS resultieren mit 151 Tonnen Treibhausgasen nur 0,06 Prozent der gesamten Emissionen aus dem Betrieb. Dagegen stammen 232 984 Tonnen aus den finanzierten Emissionen. Die finanzierten Emissionen der ABS sind damit über 1500-mal höher als die betrieblichen Emissionen.
Welche Fortschritte gab es 2025 aus Sicht der Nachhaltigkeitsberichterstattung?
Katrin Wohlwend: Erstens haben wir im Bereich der gemeinnützigen Immobilien gute Fortschritte erzielt bezüglich der Datenqualität. Im vorliegenden Nachhaltigkeitsbericht kann die ABS erstmals teilweise auf Primärdaten zu Energieverbrauch und Wärmebezug zurückgreifen. Dies haben wir vor allem dem engagierten Mitwirken unserer Kundinnen und Kunden zu verdanken. Das finde ich toll und alles andere als selbstverständlich, da sie ausser Aufwand direkt nichts davon haben.
Zweitens gibt es kleine Fortschritte im Bereich der Biodiversitätsberichterstattung. Erstmals haben wir auch für unsere Vermögensverwaltungsmandate, für die Finanzanlagen und Beteiligungen der ABS sowie für einen Teil des Kreditgeschäfts Zahlen zur Biodiversität ausgewiesen. Somit kann man für einen grösseren Teil des ABS-Portfolios nun nachvollziehen, ob unsere Kredite und Anlagen in Industrien sind, die tendenziell höhere negative Auswirkungen auf die Biodiversität haben. Das ist erst mal ein kleiner Fortschritt, aber wir bleiben dran und entwickeln unsere Berichterstattung Schritt für Schritt weiter.