Die ersten Kreditkarten trug man nicht im Portemonnaie herum, sie waren im Laden oder in der Beiz an die Wand gepinnt. Darauf wurde notiert, was man gerade nicht bezahlen konnte – es wurde «angeschrieben». Das Prinzip des «Buy now, pay later» ist also uralt – die Geschichte der Kreditkarten im engeren Sinn begann vor bald hundert Jahren mit sogenannten «charge plates». Das waren hundemarkeähnliche Metallplatten mit eingeprägten Angaben zur Kundin oder zum Kunden, ausgegeben von US-Kaufhäusern in den 1930er- bis in die 1950er-Jahre. Dank ihnen brauchte man nicht direkt zu bezahlen, es wurden an der Kasse einfach die Angaben auf den Plates durchgepaust, die Rechnung folgte später.
Aus den USA in die Welt
1950 dann kam die erste übergreifende Kreditkarte, die nicht nur in spezifischen Geschäften angenommen wurde: Mit der Diners-Club-Karte konnten (meist gut situierte) Geschäftsleute ihren Business-Lunch auf die Karte buchen lassen – das Restaurant schickte die Rechnung an Diners Club, diese beglich sie und verrechnete den Kunden ein Monatstotal. Schon im ersten Betriebsjahr wuchs Diners Club von 10 000 Mitgliedern aus der New Yorker Geschäftswelt (sowie 28 Restaurants und zwei Hotels) auf mehr als 40 000 Mitglieder in einer Reihe grosser US-Städte an. Offenbar hatte man da ein Bedürfnis gekitzelt, zumal man in den USA Konsumkrediten gegenüber weniger voreingenommen war als zum Beispiel in Europa. 1958 starteten auch die grössten Banken des Landes, Bank of America und Chase Manhattan, eigene Kreditkartengeschäfte, wobei man lange geheim hielt, wie viel Geld mit den Karten zu verdienen war – man liess die Konkurrenz im Glauben, die Risiken seien zu gross. Aber je öfter Menschen mit Karten bezahlten, desto mehr Gebühren (die der Verkäufer trägt) wurden in die Kassen der Kreditkartenfirmen gespült. Die «BankAmericard» der Bank of America wurde 1976 zu Visa – ein Wort, das in fast jeder Sprache gleich klingt. Das Kreditkartengeschäft war längst über die USA hinausgewachsen.

