Die Juristin Annelise Oeschger engagiert sich in der Bewegung ATD Vierte Welt und bringt Menschen mit und ohne Armutserfahrung zusammen. Dabei kann Überraschendes passieren.
Kinder, die auf Höfen und in Anstalten zur Arbeit gezwungen wurden – das gab es in der Schweiz mindestens bis Ende der 1980er-Jahre. Christian Tschannen war eines von ihnen. Seine Geschichte ist exemplarisch für die jüngere Sozialgeschichte der Schweiz, die auch eine Geschichte der Ungleichheit ist. Die Nachwirkungen dauern bis heute fort.
Der Bundesrat hat bisher zweimal eine Unabhängige Expertenkommission eingesetzt, um dunkle Teile der Schweizer Geschichte aufzuarbeiten: 1996 die Bergier-Kommission zur Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg und 2014 die UEK zur Aufarbeitung der administrativen Versorgungen. 2019 schloss letztere ihre Arbeit ab, mit Empfehlungen an den Bundesrat. Dazu gehören: eine lebenslange Opferrente, Räume für anhaltendes Erinnern, Integration in Lehrmittel, Weiterführung und Zugänglichkeit der Forschung, Stärkung von Verantwortung und ethischen Standards in Institutionen (Behörden, Kirchen, Private). Der Bundesrat hat bis heute nie öffentlich zu den Empfehlungen Stellung genommen. 2024 erkundigte sich Nationalrätin Barbara Gysi zum Stand der Umsetzung. Der Bundesrat verwies auf den Schlussbericht des Nationalen Forschungsprogramms NFP 76, den er inzwischen zur Kenntnis genommen hat. Er anerkennt, dass es für «Betroffene wichtig wäre, mehr Selbstbestimmung zu erlangen». Empfehlungen: uek-administrative-versorgungen.ch / Nfp76.ch
Weiterführende Informationen
Gesichter der Erinnerung: Website mit Videos, Bildern und Texten, in denen Betroffene von Fürsorgerischen Zwangsmassnamen und Fremdplatzierungen erzählen, einer von ihnen ist Christian Tschannen
Ausstellungen
«Aus der Not geboren – Arbeitende Kinder»: Landesmuseum Zürich. Bis 20.4.2026
«Versorgt. Verdingt. Vergessen?» Nationale Wanderausstellung, bis März 2026 in Lausanne, danach Luzern, Schaffhausen, Bellinzona, Bern:
«Ich bin einfach niemand gewesen – Fürsorge und Zwang in der Schweiz»: Wanderausstellung ab 30.4.2026 in Riehen BL, danach Liestal, Buchs, Willisau, Glarus, Baden, Brig.
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