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17.06.2026 von Diane Zinsel

Aus Feuer und Stahl

Johan Leutwiler ist Schwertschmied in Japan. Jeden Tag schmiedet der Walliser mit präzisen Hammerschlägen traditionelle Schwerter – der Schönheit wegen.

Artikel in Thema Handwerk
Foto: © Kuto Asuka
Johan Leutwiler, 1989 in Monthey (VS) geboren, ist der erste Ausländer, der in Japan eine Ausbildung zum traditionellen Schwertschmied abgeschlossen hat. Er lebt mit seiner Partnerin östlich von Hiroshima und verdient seit zwei Jahren seinen Lebensunterhalt mit seiner Kunst.

moneta: Früher waren Sie Kesselschmied in Monthey (VS). Was fasziniert Sie an Ihrem jetzigen Beruf als Schwertschmied?
Johan Leutwiler: Die technische Komplexität. Das erste Mal sah ich ein japanisches Schwert auf einer Messe in Frankreich. Über Japan wusste ich damals kaum etwas, aber ich machte mir sofort Gedanken über die Herstellung eines solchen Objekts und begann nachzuforschen. Je mehr ich las, desto faszinierender erschien mir dieses über 1500 Jahre alte Kunsthandwerk. Ich war 17 Jahre alt, und es schien mir undenkbar, einen Beruf am anderen Ende der Welt auszuüben.

Und jetzt arbeiten Sie seit zwei Jahren in Ihrer Werkstatt in Mihara, im Süden der Präfektur Hiroshima, und stellen Katana, Tachi, Tanto und Wakizashi her, die Schwerter der Samurai. Wie kam es dazu?
Mit 18 Jahren wurde mir klar, dass mich dieser Traum nicht mehr losliess. Da begann ich, Japanisch zu lernen und mich in Kampfsportarten sowie Kalligrafie auszubilden. Ich wollte ganz in die japanische Kultur eintauchen und sie verinnerlichen. Ich beschäftigte mich so lange damit, bis ich mich bereit fühlte, nach Japan zu gehen. Da war ich 27 Jahre alt und nahezu zweisprachig. In Kyoto besuchte ich anderthalb Jahre eine Sprachschule. Parallel dazu suchte ich eine Schule für die Ausbildung zum Schwertmacher und fand einen Lehrmeister. Ohne den erworbenen kulturellen Hintergrund hätte er mir niemals vorgeschlagen, sein Schüler zu werden.

Was motiviert Sie dazu, Schwerter anzufertigen, die niemals zum Einsatz kommen?
Wir sind uns dessen völlig bewusst, und wir sagen das auch unseren Kunden: Unsere Werke sind nutzlos. Für mich persönlich gibt es zunächst eine ziemlich egoistische Absicht: Ich möchte mich selbst übertreffen, indem ich all meine technische Fertigkeit einsetze, um mit einem Hammer als einzigem Werkzeug eine Klinge herzustellen, die auf den Zehntelmillimeter genau ist. Ausserdem gefällt mir die Idee, ein Kulturerbe zu bewahren, und natürlich auch, ein Kunstwerk zu schaffen. Das erfüllt mich sehr, und ich fühle mich privilegiert, dass ich mir die Zeit dafür nehmen kann.

Wie meinen Sie das?
Klingen auf traditionelle Art zu schmieden, und zwar aus Stahl, der aus japanischem Eisensand besteht und ebenfalls auf traditionelle Weise hergestellt wird, ist einer der unrentabelsten Berufe der Welt. Mehr als die Hälfte unserer Zeit produzieren wir Ausschussware. Für jede Bestellung schmiede ich über Wochen oder Monate hinweg mehrere Klingen, von denen ich am Ende die beste behalte. Der Preis meiner Klingen bewegt sich zwischen 15 000 und 25 000 Franken. Je mehr ein Kunde bezahlt, desto mehr Klingen kann ich im Vorfeld anfertigen und dabei auch andere Techniken ausprobieren. So lege ich mir einen Erfahrungsschatz zu und kann mich als Schmied auszeichnen. Der Kunde ist sozusagen unser Mäzen.

Sie haben Ihr Handwerk bei einem Meister gelernt, der Ihnen fünf Jahre lang täglich acht Stunden lang seine Schmiedekunst vermittelt hat. Was verbindet Sie heute mit ihm?
Die Beziehung zwischen einem Meister und seinem Schüler ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Mein Meister ist der Ansicht, dass ein Schüler zwangsläufig zum Rivalen wird. Deshalb haben wir den Kontakt nicht aufrechterhalten. Es gibt aber auch Schmiede, die die Beziehung zu ihren Schülern über Jahrzehnte hinweg pflegen, sodass man am Ende keine Geheimnisse mehr voreinander hat. In unserem Beruf ist es sehr schwer, allein voranzukommen. Ich stehe in regem Austausch mit dem Schüler, der vor mir bei meinem Meister das Handwerk gelernt hat. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir besser werden, wenn wir unser Wissen teilen. Letztlich ist unsere wichtigste Aufgabe, eine Tradition fortzuführen, die uns überdauert.

Wird Ihre Kunst vom Staat gefördert?
Ja, dieser Beruf existiert nur noch dank des Kulturministeriums, das die Herstellung des Stahls subventioniert, den wir als Rohstoff benötigen. Die Behörden sind sehr darum bemüht, handwerkliche Traditionen zu bewahren. Das ist in der Schweiz meiner Meinung nach leider viel weniger der Fall.

Ein reglementierter Prozess

Im Feudalzeitalter waren im Land der aufgehenden Sonne Tausende von Schwertschmieden tätig. Das Verbot, Schwerter in der Öffentlichkeit zu tragen, erschütterte 1876 den Berufsstand, der schliesslich nach dem Zweiten Weltkrieg unter amerikanischer Besatzung verboten wurde. Heute gibt es in Japan etwa 200 Schmiede wie Johan Leutwiler. Die Herstellung eines Katana beginnt mit dem Schmieden der Klinge. Drei weitere Handwerker arbeiten am selben Schwert, wodurch sich der Preis für das Endprodukt schnell verdoppelt. Sobald die Klinge geschmiedet ist, wird sie zum Polieren weitergegeben. Nach einer Polierung zu 80 Prozent geht es weiter mit der Herstellung des Habaki, des kleinen goldenen Kragens, der die Verbindung zwischen Scheide und Griff ermöglicht. Schliesslich wird das Schwert dem Hersteller der Scheide anvertraut. «Sobald alles fertig ist, kehrt die Klinge zum Polierer und schliesslich zum Schwertmeister zurück, der alles koordiniert. Die beteiligten Handwerker wohnen selten in der Nähe, weshalb wir uns die einzelnen Teile mit einem privaten Kurierdienst zustellen», erläutert Johan Leutwiler.

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